✿ Die Schwesternschaft der reisenden Jeans ✿

Als ich noch ein Kind war, mochte ich Bücher sehr. Ich war vielleicht nicht die Leseratte schlechthin, aber ich habe es geliebt mich in der stadteigenen Bücherei nach herzenslust umzusehen und durch die Bücherwelt zu stöbern. Ich liebte besonders die Bücher, die irgendetwas Besonderes enthielten, wie aufklappbare Bilder, oder noch besser kleine Rätsel oder dergleichen zum mitmachen.

Als ich älter wurde und man mehr und mehr darauf drängte, dass ich Bücher für "Große" lese, verlor ich diese Leidenschaft. Nicht, weil Erwachsenen-Bücher nur aus Text bestehen, sondern einfach weil mich die Geschichten nicht anzogen. Ich hab zwar trotzdem das ein oder andere Buch gelesen, aber es hatte mir nie so viel Spaß gemacht wie damals.

Das änderte sich, als mir das Buch "Die Schwesternschaft der reisenden Jeans" in die Hände fiel, oder besser gesagt "The sisterhood of the Traveling Pants". Ich hatte mir vor einigen Jahren nämlich ein Buch gesucht, dass ich leicht vom englischen ins deutsche übersetzen konnte, um mein Englisch zu verbessern.

Nachdem ich das Buch akribisch Seite für Seite ins Deutsche auf einen Collegeblock übertragen hatte, war ich so begeistert von der Geschichte, dass ich mittlerweile die Fortsetzungen lese (die allerdings auf deutsch, damit es schneller geht). Warum die deutsche Version jetzt unbedingt "Eine für Vier" heißen muss, ist mir ein Rätsel. Die Schwesternschaft der reisenden Jeans wär doch ein richtig genialer Titel gewesen. Naja, jedenfalls gewann ich durch diese Geschichte meine Leidenschaft zu Büchern wieder. Es ist kein Erwachsenen-Buch, sondern ein Teeny-Buch, sogar ein Teeny-Mädels-Buch, aber offenbar ist es genau das, was mir Spaß macht zu lesen. Deswegen möchte ich euch den ersten Teil dieses Werkes nun gerne mal vorstellen.

Also, in "Eine für Vier" (oder wie ich es lieber nenne: Die Schwesternschaft der reisenden Jeans) geht es um vier Freundinnen, die sich quasi seit der Geburt kennen. Ihre Eltern waren zusammen im Aerobic-Kurs für Schwangere und sind so in Kontakt geblieben.

Genau wie ihre Eltern, sind auch Carmen, Lena, Bridget und Tibby von grundauf verschieden. Lena ist die schüchterne Schöne, Bridget das Sport-Ass, Tibby hasst das Leben und liebt alles was das zum Ausdruck bringt, und Carmen ist nach eigener Aussage einfach nur fett.

Diese Vier waren seither immer zusammen, haben alles gemeinsam unternommen. Nur diesen Sommer, um den es hier geht, verstreuen sie sich in alle Richtungen. Carmen besucht ihren Vater, der ihre Mutter verlassen hat als sie noch ein Kind war, in South Carolina; Lena besucht ihre Großeltern in Griechenland; Bridget fährt in ein Fußball-Camp; und Tibby darf zu Hause bleiben... und in 'nem Drogerie-Markt arbeiten... juhu.

Bevor die großen Reisen allerdings losgehen fällt Carmen in einem Ramschladen noch eine alte, langweilige, in allem Maße unbesondere Hose in die Hände, die sie aus purem Frust kauft. Als sie später Tibby das hässliche Ding andrehen will, und auch sie sie nur aus Trotz überzieht, beginnt der Zauber: Das Ding passt! Und sieht gar nicht mal so schlecht aus. Auch die anderen fühlen sich in ihr wie eine Göttin - und das, obwohl jede eine föllig andere Figur hat - und erklären sie prompt zum Wahrzeichen ihrer Freundschaft. Um also immer etwas von den anderen bei sich zu haben auf der großen Reise soll die Jeans jede Woche jemand anderem per Post zugeschickt werden. Und so wird die Jeans Zeuge all ihrer Erlebnisse, die von Aufregung, Liebe, Wut und Trauer geprägt werden.

Ich liebe den Schreibstil der Autorin Ann Brashares! Es liest sich frech und knackig und wird mit keinem Satz langweilig. Besonders Carmens unbekümmerte Schnauze macht unendlich Spaß. Ich musste nicht selten lachen, wenn sie auf ihre zukünftige... (nennt man es Stiefmutter, wenn ihr Vater wieder heiratet, sie aber bei ihrer leiblichen Mutter wohnt?) traf.

Das Einzige, was mir nicht so gut gefallen hat, ist dass einem ab und zu der petagogische Wert des Buches aufs Auge gedrückt wird. So wird Carmen zum Beispiel "bewusst", dass sie sich bei ihrem Vater zu entschuldigen hat, obwohl er Mist gebaut hat. Einfach weil er der Erwachsene ist und sie nur der zickige Teenager. Aus Sicht von jemandem, der selbst erwachsen ist, ist es sehr auffällig, dass die Autorin vermitteln will, dass Kinder sich Erwachsenen immer unterzuordnen haben, egal was für ein Bullshit die anstellen.

Mädels, die ihr das Buch ebenfalls verschlingt, lasst euch gesagt sein: Nein, Erwachsene haben nicht immer Recht und Carmens Papa in dem Fall schonmal gar nicht!


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